Phia

Phia vom Entenstrich

Weimaraner, 18. April 2012

Die kleine Phia ist strenggenommen nicht mein Hund, aber da sie mit uns zusammenlebt und voll dazugehört, soll ein Portrait von ihr natürlich nicht fehlen.

Die Anfänge unseres Zusammenlebens haben sich nicht so einfach gestaltet. Unsachlich formuliert würde ich sagen, dass sich bei ihr Geist und Körper noch überhaupt nicht miteinander verstanden haben und dieser Hund ständig von irgendwelchen „inneren Dramen“ getrieben war.
3 stündige Quengel-/ Schreiarien, rastloses Umherlaufen, in 4 Stunden 12 Pipi-pfützen und ähnliches haben mitunter die Nerven sehr strapaziert. Ganz getreu dem Motto: Wenn ich leide, müsst ihr das auch tun! Sie hatte große Schwierigkeiten Reize und Eindrücke zu verarbeiten. Ein Training/ Ausflug, der sich eigentlich müde machen sollte und ihr Eindrücke zum Verarbeiten geben sollte, konnte durchaus dazu führen, dass sie zwischen 2 und 4 Stunden keine Ruhe fand – und das waren keine Mamutausflüge!! Sie hatte kein Gefühl für Ruhe und Erholung, sondern war getrieben. Das hat mir mitunter sehr leid getan und das schlimmste, man konnte ihr nicht wirklich helfen. Sie saß ganz oft da, die Augen fielen ihr zu – sie wollte schlafen, war völlig übermüdet - und dann hat man richtig gesehen, wie ein innerer Antrieb sie wieder aufgeschreckt hat und sie am Schlafen gehindert hat. Arme Maus.
Auch gegenüber uns und den Hunden hat man ihr fehlendes Bewusstsein deutlich gemerkt. Wie oft hat sie uns eine Pfote mitten ins Gesicht -am besten Auge- geschleudert, ist auf uns herumgetrampelt, wenn wir Phiain erreichbarer Nähe waren. Die Terrier wurden so häufig von ihr – teils heftig- umgerannt, dass diese schon 3m vorher heftig Alarm gemacht haben (half oft nicht!). Die Jungs konnten das durch ihre Körpergröße gut abfedern, aber wurden auch oft so angelaufen, als wären sie nicht da. Das hat natürlich ordentlich Unruhe in die Mannschaft gebracht und bisweilen hatten alle reichlich Stress und waren sehr genervt!
Dominanter ignoranter Hund mögen nun viele denken, aber ich sage vehement nein! Denn: sie hat einfach nicht gemerkt, was sie da tat. Ihr fehlte jede Umsicht. Sie ist gelaufen und ist dann einfach gelaufen, alles andere hat sie nicht wahrgenommen bzw. verarbeiten können.

Aber: mit Zeit, Geduld und Hoffnung ging es Tag für Tag voran.

Nun ist unser kleiner Lurch 9 Monate alt und es ist schön, dass sie da ist. Noch immer wirbelt sie unsere bis dato bestehende Ruhe und das Eingespieltsein immer mal wieder durcheinander, aber sie ist schon viel viel mehr bei sich und uns angekommen. Zum Glück! Sie hat nun gelernt, dass es Arbeits-/Aktivitätszeiten und Schlaf-/Ruhezeiten gibt und dass, das auch in Ordnung so ist.

Mit ihr zu arbeiten ist – und war schon als Welpe – toll. Sie ist sehr bemüht alles richtig zu machen, will lernen und manchmal überschlägt sie sich vor lauter Enthusiasmus. Das ist dann schlimmer als jeder Border Collie. Warten, Geduld und Selbstkontrolle werden die wohl größten Aufgaben und Herausforderungen sein, die sie lernen muss.
Mit den anderen Hunden kommt sie nun sehr viel besser zurecht. Fips ist und war schon immer ihr coolster großer Bruder. Dante ist nach seiner Krise bei ihrem Einzug nun auch ganz dicke mit ihr. Er spielt immer ganz willig das „Opfer“. An ihm übt sie, wie man im vollen Lauf an die Keulen geht und das „Wild“ zum Fallen bringt, danach der professionelle Griff in die Kehle. Ansonsten entdecken sie oft gemeinsam die Welt. Sehr toll anzusehen. Sie werden sicher auch toll zusammen arbeiten. Die Terrier sind noch neutral bis verhalten. Knurren und giften sie gerne einmal weg- die Spuren der Anfänge, aber auch das wird immer weniger. Mittlerweile beobachtet man auch, dass sie sich bemüht, nicht auf ihnen herumzutrampeln und um die herumzulaufen anstatt durch sie hindurch.

Ihr Appell -wie man so schön sagt - ist große Klasse! Sie läuft eigentlich nur ohne Leine und achtet prima auf uns.

Im nächsten Jahr stehen dann die intensive Vorbereitung auf HZP/ Brauchbarkeit und die  Begleithundeprüfung an. Denn da die Jagd kein full-time Job ist, will Keno sie gern im Agility führen.

Lassen wir uns überraschen wie die zwei sich entwickeln!

Phia Phia mit Pinky

Phia 2013:

Als jüngstes "Kind" im Hause macht sie naturgemäß noch die meisten Entwicklungsschritte durch. Dieses Jahr war ein sehr bewegtes Jahr voller Vor- und Rückschritt und Stillstand. Im letzten Jahr sowie zu Beginn des Jahres hätte ich sie mindestens 3x täglich verschenken können, mittlerweile hat sich die Quote deutlich zu ihren Gunsten verbessert.

Sie ist und bleibt der anstrengendste Hund in unserem Hause, nicht weil sie ein konkretes Problem verursacht (bspw. unkontrollierter Jagdtrieb), sondern, weil sie ist wie sie ist. Ganz viel davon ist einfach wunderbar und manches ist einfach sehr anstrengend.

Wir verstehen immer mehr, was ihr Stress verursacht und können immer besser damit umgehen/vorbeugen/ vermeiden, für sie Sorgen. Für Phia dürfen sich die täglichen Dinge wenig ändern, an Übernachtungsbesuch hat sie sich beispielsweise erst nach 3 Wochen gewöhnt. Bis dahin wird er jeden Tag aufs Neue gemeldet und sorgt für Unruhe. Hat sie eine Situation angenommen und begriffen, dann ist alles gut, aber leider geht das Leben oft sehr schnell voran und das kann sie nur schwer verarbeiten. Geht es bei Keno und mir hektisch zu, dann ist der Ofen ganz aus. Solche Stimmungen nimmt sie sofort auf und setzt sie ihrerseits in Unruhe und Stress + Stressabbaureaktionen um. Wir können diese Dinge wie gesagt immer besser fassen und machen es uns allen damit ein bisschen leichter. 

Jagdlich hat sie in diesem Jahr einen absoluten Fehlstart hingelegt. Jugendsuche noch ganz gut bestanden, aber dann war es leider mit dem Jagdhund vorbei. "Fehlende Wildschärfe" wurde immer wieder "diagnostiziert. Mit Glück war einfach alles zu früh und sie noch nicht reif. In den letzten Tagen & Wochen zeigt sie vermehrt gute Tendenzen und wir sind gespannt, ob das noch etwas in ihr schläft, was nun langsam erwacht.
Lustigste Anekdote aus diesem Bereich: Spaziergang mit allen Hunden, Dante sichtet Wild und steht vor, Phia erstarrt ebenfalls und steht auf Dante vor. .. Genauso ist sie, die kleine graue Phi.

Super gemeistert haben Keno und Phia ihre Begleithundeprüfung. Im Sommer war hormonell bedingt kein Training mit Phia möglich, aber seit einiger Zeit trainiere ich sie viel im Agility. Das macht viel Spaß und ob ich sie Keno wiedergebe, weiß ich noch nicht.

Ihr Umgang und vor allem die Wahrnehmung der anderen Hunde sind bedeutend besser geworden. Mit den Jungs kommt sie nach wie vor sehr gut klar. Mit Lucy beginnen seit neustem erste richtig gute Spiele und mit Emma klappt es auch gut, wenngleich die zwei auch schon das ein oder andere Mal ernsthafter aneinander geraten sind.

Zusammenfassend kann man sagen, wir alle wachsen immer noch zusammen und sind in diesem Jahr einen guten Schritt voran gekommen. Schauen wir, was nächstes Jahr wird.

 

Phia 2014:

Ja, die liebe Phia. Sie kostet uns – und die anderen Hunde - nach wie vor viele Nerven dadurch, dass sie ist wie sie ist. ABER: wir arrangieren uns immer mehr miteinander und Phias weiterhin stattfindende Entwicklungsprozesse machen das auch zunehmend einfacher.

Anfang des Jahres haben Keno und Phia ihre Begleithundeprüfung bestanden. Sie haben das wirklich gut gemacht. Es war für beide das erste Mal. Die sich anschließenden Starts auf den Agilityturnieren waren noch nicht von Erfolg und vor allem guter Zusammenarbeit gekrönt, aber derzeit können wir sagen: dranbleiben, das wird !

Jagdlich startete das Jahr recht zäh und erfolglos. Blümchen schauen war spannender als Rehe jagen. Irgendwie ja auch sympathisch. Im Schwarzwildgatter kam wiederholt die Erkenntnis auf: „Das wird wohl nichts!“. Im Herbst waren die beiden dann als Hundegespann zu einer Jagd eingeladen und seitdem scheint das Blatt gewendet bzw. das Feuer entfacht oder sagen wir: der Funke scheint übergesprungen. Sie hatte das große große Glück eines tollen jagdlichen Erfolges und scheint davon ganz beflügelt.

Nun beschwer´ ich mich natürlich wieder, dass die Spaziergänge nicht mehr so gemütlich sind, sondern man den Hund im Auge behalten muss ;-).

Aber nein: ich freue mich sehr, wenn es jagdlich mit den beiden vorangeht. Darf man einem anderen Weimaranerführer glauben schenken, dann wird sich im nächsten halben Jahr zeigen, was in ihr steckt. … Ich bin gespannt !